— Renato Kaiser

Karl der Grosse und ich

Meine Winterrede

Zurzeit finden auf dem Grossmünsterplatz in Zürich die Winterreden statt. Von Dezember bis Januar kommen 30 Redner aus den verschiedensten Sparten zu Wort, wie zum Beispiel Roger Köppel, Christoph Sigrist, Nora Zukker, Hazel Brugger und Karl der Grosse selbst! Ich kann sehr empfehlen, da hinzugehen! Alle weiteren Infos findet ihr hier.

Gestern hatte ich die grosse Freude und Ehre, meinen Senf dazuzugeben. Meine Rede könnt ihr hier lesen, hören und sehen:

Winterrede

Von Redefreiheit bis Stummheit, von Gutmenschentum bis Gutmenschenkritik, von Knackeboul bis Blocher

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Ich freue mich, hier und heute eine Rede halten zu dürfen und damit das vielbesprochene Recht auf Redefreiheit zu nutzen. Ich stehe hier und äussere frei meine Meinung und werde dafür nicht bestraft werden, solange ich mich an die gesetzlichen Vorgaben dieses Landes hier halte. Wobei man sagen muss, dass die Regeln, wer in diesem Land vor Leuten was genau sagen darf, sehr frei gehalten sind, wenn man sich das Programm vereinzelter Parteien, Zeitschriften, Musiker oder auch des Schweizer Fernsehens so anschaut. Denn ob Ueli Maurer das Schweizer Landesrecht über das Völkerrecht stellt, ob die Weltwoche das „O“ in Koran als angezündete Bombe illustriert, ob Bligg mit seinem journalistischen Pendant „Blick“ zusammen – welch naheliegende Namensverwandtschaft – seine Alben promotet die Schweizer und die Schweizer Musiklandschaft verseucht und ob Sven Epiney mit „die grössten Schweizer Talente“, mit „Kampf der Chöre“ oder mit „Kampf der Orchester“ das Schweizer Fernsehen zur kleinen dialektsprechenden Hure von RTL macht – strafbar ist das nicht.
Wobei das Wort „Bestrafung“ natürlich Ermessensache ist. Auch ich werde höchstwahrscheinlich nicht von der Polizei abgeführt und mit einer Busse bestraft werden, ich werde eher nicht eingesperrt und noch wahrscheinlicher nicht gefoltert oder getötet werden. Trotz alledem ist eine Art von Bestrafung selbstverständlich jederzeit möglich, nicht zuletzt durch Sie.

Denn: Sie hätten jederzeit das Recht, zu gehen. Oder das Recht, mich zu ignorieren. Oder das Recht mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin rumzuschmusen, wie Sie es auch sonst so gerne in der Öffentlichkeit tun, bis sich jeder Umstehende ungeliebt genug vorkommt. Oder das Recht nebenbei mit Ihrem Smartphone das Blick-Girl des Monats zu wählen. Während Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner rumschmusen. Oder das Recht Ihrem Kind die Ohren zuzuhalten. Oder das Recht Ihr Kind genau zuhören zu lassen, ihm dann tief in die Augen zu schauen und zu sagen: „Wenn Du irgendwann mal so wirst wie der da oben, habe ich dich nie geliebt und werde dich enterben.“
Oder aber: Sie haben vor allem das Recht, anderer Meinung zu sein. Die Meinungsfreiheit funktioniert in mehrere Richtungen. Darum wäre ich froh, wenn Sie von Ihrer Redefreiheit Gebrauch machen, am liebsten nicht jetzt gleich, sondern nachher im Restaurant. Denn ich bin bereit mit allen über meine Meinung zu diskutieren, egal ob mit Ihnen, Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, auch mit Ihrem Kind, wenn Sie ihm das antun wollen und selbstverständlich auch mit dem Blick-Girl des Monats. Denn auch Blick-Girls sind Menschen.

Aber: was genau Menschen sind, und was nicht: auch das ist Ermessenssache. Das wissen wir spätestens, seitdem wir den Inhalt der Ecopop-Initiative gelesen haben. Bevor ich auf den Ausgang der Abstimmung und das entsprechende Resümée zu sprechen komme, möchte ich Ihnen einen Dialog zu diesem Thema präsentieren, den ich noch vor diesem Wochenende verfasst hatte.

Und ich muss dazu sagen, ganz im Sinne der Schweizerischen Neutralität: beide haben Recht. Bei „abgschtimmt“ oder „abgschtummä“ gibt’s kein richtig oder falsch. Schliesslich ist in der Schweiz nicht nur der Dialekt, sondern auch das Verständnis davon, was richtig oder falsch ist, von Kanton zu Kanton verschieden. Deswegen ja: in der Schweiz wird abgestimmt. Und es wurde abgestimmt. In der Schweiz wird aber auch abgestummen. Und es wurde abgestummen. 50,6 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung sind nämlich stumm geblieben. Wie sehr man die Meinungsfreiheit nutzt, ist eben auch Ermessenssache.

Und wer seine Meinung äussert und wer nicht – das kann man sich halt nicht aussuchen. Wenn man sich das Video der Initiativ-Befürworter angesehen hat, hätte man es auch am liebsten die ganze Zeit abgestummt. Oder noch lieber die Befürworter selbst! Aber das geht natürlich nicht. Man darf niemandem den Mund verbieten, wegen der Redefreiheit, Sie erinnern sich. Und aus ebendiesem Grund muss man gleichermassen die unerträglichen Lobhudeleien und Freudenschreie der Gewinnerseite nach der Abstimmung über sich ergehen lassen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin sehr froh darüber, dass die Ecopop-Initiative abgelehnt wurde, selbstverständlich. Aber einen Anlass zum Jubeln sehe ich darin nicht. Denn das Schweizer Stimmvolk hat nicht etwa etwas unheimlich Intelligentes gemacht. Es hat nur etwas sehr Dummes nicht gemacht. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erklären:

Wenn man am Wochenende spät Abends mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Bern noch nach Fribourg gelangen will, das nur 25 Zugminuten entfernt ist, hat man folgende Möglichkeiten. Man nimmt entweder den regulären Zug um 00:18 oder man nimmt den einzigen Nachtbus, der erst um halb drei Uhr morgens von Bern losfährt und eine ganze Stunde unterwegs ist. Man muss sich also eh schon entscheiden, ob man um ein Uhr in der Nacht zu Hause sein will oder um vier Uhr morgens. Das ist schon dumm genug. Der Punkt ist der: Der besagte Nachtbus kostet, von Bern nach Fribourg, 15 Franken. Egal, ob man das Halbtax hat oder das GA, alles egal. Und beschwert sich jemand darüber? Nein. Denn die Kundschaft ist um diese Uhrzeit sowieso hoffnungslos betrunken und freut sich darüber, überhaupt nach Hause zu kommen. „Füfffzäää Schschtutz? Isch jo voll günschtig! Mitm Taxi möössti jetz sicher 100 Schschtutz zalä, mindschtnsss!“ Wenn also der stockbesoffene Student aus Fribourg nach einer Berner Rauschnacht froh über den Nachtbus ist, regt er sich nicht darüber auf, dass er 15 Franken zahlen und dafür eine Stunde durch die deutschfreiburger Käffer fahren muss. Sondern darüber, dass er nicht das Taxi nehmen muss. Von Fribourg nach Bern. Zwei Stunden, bevor der erste Zug wieder fährt. Was ich damit sagen will:

Nur weil das Dümmstmöglichste nicht passiert ist, heisst das nicht, dass der Status Quo automatisch grandios ist.

Alles ist relativ. Ermessenssache.
Wenn Sie einem Schulkind sein Pausenbrot wegnehmen, macht es die Sache nicht viel besser, wenn Sie ihm den Apfel zurücklassen. Zumal Sie Äpfel nicht mögen. Und Sie ein Erwachsener sind, was ist los mit Ihnen!
Oder:
Wenn Sie einem Bettler auf der Strasse kein Geld geben, macht es Sie nicht zu einem besseren Menschen, wenn Sie dabei darauf verzichten, ihm zu sagen, dass er sich gefälligst einen Job suchen soll.
Oder:
Wenn Sie im Begriffe sind, etwas Ausländerfeindliches zu sagen, bringt es nicht viel, wenn Sie vorher anfügen „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…“

Wie auch in diesem Jahr gehört:

„I ha jo nünt gägä Usländer, aber… also grad inere Villa woonä müend diä syrische Flüchtling denn also scho nöd, oder. Än Wooncontainer oder än Bunker wörs doch au tue?“ Auch das ist eine Meinung und die lasse ich natürlich gelten, möchte sie aber nicht so stehen lassen. Ausgehend von diesem Votum möchte ich zurückfragen. Gut: Wenn also gerade nicht ein Haufen syrischer Flüchtlinge in einer Villa wohnt, wer wohnt denn sonst in einer Villa? Genau: Banker! Und ich meine, ich habe ja nichts gegen Banker, aber, grad so in einer Villa wohnen…?

Wenn man mich hier so reden hört, über Ecopop, Bettler, Bunker-Banker und syrische Flüchtlinge, könnte man mich durchaus als Gutmenschen beschimpfen. Wobei ich erst seit Kurzem weiss, dass Gutmensch überhaupt ein Schimpfwort ist. Vor einiger Zeit, während einer Diskussion über das Spendenwesen, sagte jemand zu mir:

„Du bisch sonen Guetmensch…“
„Au. Danke vilmol. Da isch aber lieb!“, erwiderte ich.
„Nai, da isch nöd lieb gmaint!“

sagte mein Gegenüber, konnte mir im Anschluss aber nicht schlüssig erklären, was an einem Gutmensch denn schlecht sei. Was er damit gemeint haben könnte, erschloss sich mir erst, als ich unsere vorausgegangene Konversation noch einmal Revue habe passieren lassen:

Was, wivil häsch gschpendet?

200 Stutz.

200 Stutz?!

Jo 200 Stutz.

Krass…

Jo, scho no rächt krass. Mit dem baueds jetzt Brünä und Schuelä.

Jojo. Wenn’s denn döt achunt…

Jo, da hends gsait.

Jo, hendsder gsait hä… Und denn goots doch wider a irgenden anen afrikanische Warlord, irgend sonen Chriegstriiber… Denn hätsch die 200 Stutz gradsoguet chönä usm Fenschter wörfä…

Du dini Uur… Wivil hät die koschtäd?

Was hät jetz da mit dem ztue?

Isch doch gliich, säg jetz aifach.

Jo öppä 1000 Stutz.

1000 Stutz?

Jo 1000 Stutz.

Krass.

Was krass. Do waiss me wenigschtens, wa me hätt.

Das heisst: Wenn man 200 Franken spendet, wirft man Geld aus dem Fenster. Und wenn man 1000 Franken für eine Luxusuhr ausgibt, weiss man was man hat. Lieber die Uhr sicher am Handgelenk als den Schtutz eventuell im Krisengebiet. Sie halten das für überspitzt? Na gut, dann realistischer. Wenn meine Spende tatsächlich in den falschen Händen landet, dann wahrscheinlich in den Händen jener Krimineller, die mittels Sklavenhaltung jene Rohstoffe schürfen lassen, aus denen die Uhr meines Freundes gemacht ist.

Wenn dem so ist, lasse ich mich gerne als Gutmensch beschimpfen. Wobei ich mich damit ja auch in prominenter Gesellschaft befinde. Der derzeit bekannteste und präsenteste Gutmensch ist wahrscheinlich Knackeboul. Falls Sie ihn nicht kennen. Knackeboul ist ein Rapper, Moderator, Entertainer und Tausendsassa, der auf Bühnen und mittlerweile auch im Fernsehen alles wegmoderiert, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Er ist also so etwas wie der Sven Epiney der Strasse. Einfach mit Beat-Box, Loop-Gerät, Käppi und vor allem einer eigenen Meinung. Und die hat er in den letzten Jahren fleissig per youtube kundgetan. So machte er sich für Flüchtlinge stark, hielt Plädoyers für Toleranz und Nächstenliebe und für eine offene Schweiz. Daraufhin wurde er von Gegnerseite als Gutmensch beschimpft und als er sagte, er sei nicht unbedingt stolz ein Schweizer zu sein, sondern nur froh darüber, reagierten sie mit „Jo denn chasch jo goo, wenns der nöd gfallt!“ Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Natürlich verzettelt sich Knackeboul in seinen viel zu langen Youtube-Videos viel zu häufig, natürlich schwingt oft eine gehörige Portion schmalziger Pathos mit und ja, auch ich habe mich ständig gefragt, warum der die ganze Zeit grinst wie ein Verrückter. Aber ihn deswegen gleich des Landes zu verweisen? Ich weiss nicht.

Aber zum Glück gibt es in der Schweiz nicht nur Gutmenschen, sondern auch Christoph Blocher.
Ich weiss, dieses überalterte Schlachtross als Argument ins Feld zu führen, ist eigentlich schon ziemlich abgedroschen, aber erlauben Sie mir, dass ich trotzdem noch ein wenig auf ihm herumreite. Christoph Blocher veröffentlicht wie Knackeboul auch immer wieder Videos im Internet. Und zwar auf seinem ganz persönlichen youtube-Kanal, der da heisst: Tele Blocher. Vor fast genau einem Jahr liess er anlässlich des Todes von Nelson Mandela nicht nur verlauten, dass vor allem die Weissen die Apartheid aufgelöst hätten, sondern auch folgendes Zitat, nachdem er gefragt wurde, ob Nelson Mandela zu Recht als Held gefeiert werde: „und äh, das isch zu recht chamer sägä, mol dä hät kämpft s’Läbä lang und isch is Gfängnis gangä, da isch jo immer äs Zaichä, dass ers ernscht maint und äh, er wird vilicht au a vilne Ortä überschätzt und so, da isch jo denn äso. Ainä mol öppis guets gmacht hät, denn gilt er für aläs öppis guet. Aber das isch jetz also aläs vorbi. Also wemmer döt idä Afangsjoorä die wo gsee hend am Mandelas sis Huus. Im Sinn, also, für ois fascht än Palazzo do im…“ Diesen Satz hat er nicht beendet. Vielleicht, weil ihm aufgefallen ist, dass das Interview in seinem Palazzo in Herrliberg aufgezeichnet wurde.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Dass Christoph Blocher so denkt und spricht, überrascht mich nicht. Mich überraschte eher, dass die Empörung verhältnismässig gering war. Klar, führende Politiker haben sich von dieser Aussage distanziert und sie verurteilt, was blieb ihnen auch anderes übrig. Aber ansonsten verhallten Blochers Worte offenbar einigermassen ungehört. Was an sich natürlich auch was Gutes hat. In einer Schweiz, die als Reaktion auf so ein Blocher-Video nur achselzuckend reagiert mit „Ach. Lass den Alten reden“ würde wahrscheinlich sogar Knackeboul sagen, dass er stolz ist, ein Schweizer zu sein. Deswegen sagte ich auch verhältnismässig, womit wir wieder bei der Ermessenssache sind. Zum Beispiel wenn man vergleicht, wie laut der Aufschrei bei anderen Ausrutschern von Politikern ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang gerne und ungerne an die Gerigate-Affäre vor einigen Monaten. Was für ein Faux-Pas! Was für ein Skandal! Denn Geri Müller! Der Stadtammann von Baden. Geri Müller hat- öhm. Nun ja, Geri Müller hat… Geri Müller hat seinen kleinen Stadtammann fotografiert und das Foto seiner Affäre geschickt.
Ja, genau das hat er getan. Oder um es anders zu sagen: “Er hät irä siis Pfiifäli zaigt!” Hihi! Ja! Hihi, sage ich. Denn das ist nicht schockierend. Das ist höchstens ein bisschen lustig. “Ja vielleicht”, erwidern einige, “vielleicht. Aber ein Politiker macht so was nicht!” sagen die. “Da haben Sie natürlich Recht”, sage ich. Ein Politiker macht so was nicht. Ein Politiker sagt, dass Homosexuelle einen Hirnlappen hätten, der verkehrt läuft. Und wieder ein Politiker sagt, dass Nelson Mandela eigentlich ziemlich überschätzt gewesen sei, schliesslich habe der ja auch nicht gerade in einer Wellblechhütte gewohnt. Und wissen Sie was? Aus verlässlichen Quellen weiss ich, dass beide genannten Politiker privat tolle Ehemänner, Väter und Grossväter sind, nie bei Rot über die Strasse gehen und in ihrer Freizeit ausgesetzte Bernhardinerwelpen an der eigenen Brust füttern. Glauben Sie mir nicht? Hätten Sie mir denn geglaubt, wenn ich Ihnen erzählt hätte, dass Geri Müller nur im Hemd und unten ohne im Büro herumrennt wie…, wie…, naja, wie… wie Donald Duck? Eben.
Und ja, wenn Sie bis jetzt noch keiner darauf aufmerksam gemacht hat: Donald Duck trägt keine Hose. Nicht vor Daisy Duck, nicht vor Dagobert Duck, nicht einmal vor Tick, Trick und Track. Denken Sie darüber mal nach, wenn Sie Ihren Kindern das nächste mal so ein Schmuddelheft in die Hand drücken, Sie Grüsel.
Verstehen Sie mich nicht falsch, meine Damen und Herren. Ich sage nicht, dass Geri Müllers Verhalten korrekt war oder nicht (oder das von Donald Duck). Ich sage nur, dass die Empörung unverhältnismässig, lächerlich und traurig ist. Mindestens so lächerlich und traurig wie ein Mann, der ohne Hose dasteht.

Ich zum Beispiel habe diese Rede nackt geschrieben, meinen ganzen Körper in Sesamöl getunkt und mit Kokosraspeln bestreut, mit den Hüften kreisend, auf zwei Ponys balancierend und den Schweizerpsalm singend, mit der Unterhose auf dem Kopf, mit dem Gewissen im Reinen und mit der Hand an der Kamera.

Was ich Ihnen mit all dem sagen will:

Die Redefreiheit, das Recht auf freie Meinungsäusserung ist ein hohes Gut, das es auszuüben und zu verteidigen gilt, nicht zuletzt durch solch gelungene Experimente wie diese Winterreden, wo verschiedenste Redner mit verschiedensten Meinung auftreten. Es soll nie darum gehen, jemandem den Mund zu verbieten, sondern darum Paroli zu bieten. Denn nur wer redet, wird gehört, und nur wer seine Stimme benutzt läuft nicht Gefahr abzustummen.

Aber: Wo die Redefreiheit anfängt und die Freiheit des Hörenden aufhört, wo Stummheit auf Dummheit trifft und wo es besser ist, auch einfach mal den Mund zu halten, wie gut ein Gutmensch wirklich ist und wie kritisch ein Gutmenschkritiker, und worin sich Knackeboul und Christoph Blocher ähneln und unterscheiden, all das ist Ermessenssache.  Und darum, bevor wir uns in der Wärme zur Diskussion treffen, möchte ich noch einen letzten Denkanstoss in eigener Sache loswerden. Nämlich ein Gedicht mit dem Titel “Ermessenssache”.