— Renato Kaiser

Lesebühne Rauschdichten mit Team Neurosenstolz

Liebe Rauschdichtenfreunde!

Hier erstmal die blutten Infos:

Datum: 26. Mai 2014

Ort: Musigbistrot (Mühlemattstrasse 48, 3007 Bern), www.musigbistrot.ch

Beginn: 20:00

Eintritt: 15 CHF, für Studenten: 10 CHF

Special Guest: Team Neurosenstolz aus Deutschland! (David Friedrich und Björn Dunne) – herausragende Spoken Word Texte, Geschichten und Gedichte, einzeln und zu zweit, superschlau, superstrange, supergeil.

Am kommenden Montag, 26. Mai steht das nächste Rauschdichten vor der Tür, wie gewohnt mit den Stammrauschdichtern Christoph Simon, Sam Hofacher und mir, Renato Kaiser. Diese offensichtlich degenerierte Travestie des Rütlischwurs mit teutonischer Internationalität aufbrechen werden die Shooting Stars im deutschsprachigen Team Poetry SlamBjörn Dunneaus Berlin und David Friedrich aus Hamburg, besser bekannt als:

Team Neurosenstolz

Neurosenstolz

Ein Name, der dermassen förmlich darum bittet, analysiert und interpretiert zu werden, so dass ich dieser Aufforderung selbstverständlich nachkomme. Sie alle kennen bestimmt das Berliner Popduo “Rosenstolz”. Dafür müssen Sie sich nicht schämen. Schliesslich kommt man ja seit einigen Jahren und nicht zuletzt wegen der stillen germanischen Invasion durch RTL Schweiz, Sat1 Schweiz, Pro7 Schweiz, MTV Schweiz und all die anderen perfiden Unterwanderungsmedien nicht umhin, zusätzlich zur hiesigen auch noch seicht-bräsige Dumpfbackenmusik aus Deutschland zu kennen. Als wären wir mit unseren Bobos und Göläs und Bliggs nicht schon restlos bedient. Sie müssen sich also nicht dafür schämen, Helene Fischer zu kennen oder Unheilig oder Silbermond oder eben Rosenstolz, keineswegs. Sie müssen sich nur dann schämen, wenn sie Facebookfreunde, die auf ihrer Pinnwand Videos, Fotos oder Zitate der betreffenden Künstler hochladen, nicht umgehend löschen, blockieren und als Spam markieren. Schliesslich ist es ein Unterschied ob Sie beispielsweise die Band Nickelback einfach nur namentlich kennen, oder ob Sie ihre CD in den Player legen, weil Sie beim Sex auf Touren kommen wollen.Wobei letzteres wiederum nach sehr stark einer Neurose klingt, auf die man nicht besonders stolz sein sollte. Ganz im Gegensatz zum Team Neurosenstolz! Björn Dunne und David Friedrich haben beeindruckende Neurosen. Unübersehbare und unüberhörbare Verhaltensstörungen. Schon von klein auf:

Sie sagten immer, das sei Liebe zur Sprache. Ihre Klassenkameraden sagten “Halt’s Maul” und stopften ihre Mäuler mit Sand.

Sie sagten: “das war doch nur ironisch gemeint” und ihre Freundinnen verliessen sie.

Sie verstanden die Literatur als ein anarchisch rebellisches Mittel gegen festgefahrene Systemmodelle – und ihre Eltern gaben sie zur Adoption frei.

Und so wanderten sie jeder für sich, ziellos, unverstanden und von der Gesellschaft ausgestossen durch die finsteren Gassen Deutschlands, “atemlos durch die Nacht, bis ein neuer Tag erwacht” (wie gesagt: fühlen sie sich nicht schuldig. Nur schmutzig) bis sie irgendwann, endlich aufeinandertrafen.

Und irgendwo aus einem weit enfernten Schützenhaus sang ein betrunkener Fussballhooligan:

“Atemlos, schwindelfrei, großes Kino für uns zwei

Wir sind heute ewig, tausend Glücksgefühle

Alles was ich bin, teil’ ich mit Dir

Wir sind unzertrennlich, irgendwie unsterblich

Komm nimm’ meine Hand und geh’ mit mir

Atemlos.“

Wahre Poesie.

Björn Dunne hingegen sagte: “Hey, du Rettich”. David Friedrich machte sich einen Reim darauf. Das Team Neurosenstolz war geboren.

Von da an waren die zwei ein Paar. Sie sahen, dass geteilte Verhaltensstörungen… immer noch Verhaltensstörungen sind, aber sie damit wenigstens nicht mehr alleine waren. Und so machten sie sich auf, bestärkten sich gegenseitig in ihren psychopathischen Zügen, gaben sich ihrem Zwang zum Wortspiel, zum Reim, zum anarchisch absurden Wortwitz hin, traten auf die Spoken-Word-Bühnen der gesamten Bundesrepublik, liessen ihren Neurosen freien Lauf, gewannen einen Team Poetry Slam nach dem anderen und versetzten das Publikum mal aufs mal in einen derart ekstatischen Jubel, dass das Volk auf und vor der Bühne aussah wie eine gigantische glückliche Verhaltensstörung.

Hier eine Kostprobe:

Und so soll es auch am 26. Mai, 20:00 Uhr im Musigbistrot sein, meine lieben Rauschdichterfreunde! Kommt vorbei, nehmt all Eure mehr oder weniger verhaltensgestörten Freunde mit und lasst Euch therapieren von einem der besten Poetry Slam Teams des deutschsprachigen Raumes. Christoph Simon, Sam Hofacher und ich haben auf jeden Fall schon seit mehreren Wochen das Restless-Legs-Syndrom, ein bisschen zwanghaft, ein bisschen ekstatisch, aber vor allem sehr stolz, Euch präsentieren zu dürfen:

das Team Neurosenstolz!

Es grüsst Euch

Renato Kaiser

Im Namen der Rauschdichter

Allgemeine Infos:

Rauschdichten-Text: Wie gewohnt wird einer der Auftretenden im Laufe des Abends spontan einen Text schreiben und vortragen. Zur Verfügung stehen dabei fünf Begriffe aus dem Publikum, eine halbe Stunde Zeit und eine ganze Flasche Rotwein – because that puts the “Rausch” into the “Rauschdichten”!

Zwei Sachen sind neu: 

Erstens: Wir beginnen um 20:00 Uhr. Warum? Damit die weither gereisten Zuschauer aus dem Ausland noch mit dem Nachtzug direkt wieder zur Arbeit fahren können.

Zweitens: Das Rauschdichten findet nicht mehr zehn Wochen lang jeden Montagabend statt. Sondern neu monatlich. Und zwar jeden letzten Montag des Monats. Warum? Damit ihr dazwischen länger Zeit habt, eure aufgeheizte Libido runterzukühlen. Die nächsten Daten sind daher planmässig:

30. Juni mit Lea Streisand aus Berlin

Juli und August ist Sommerpause, die Daten ab September sind noch in Arbeit.

Genau Infos zu den Daten erhaltet ihr per Newsletter, Facebook, www.musigbistrot.ch und vielleicht auf…

Drittens: … www.rauschdichten.ch! Wir arbeiten an einer eigenen Homepage.