— Renato Kaiser

Sinfonietta Zug Schwärmerei

Streicher mit Worten streicheln

Manchmal muss in diesem Bloggeschwafel hier auch mal ein bisschen Platz und Zeit für ernstgemeinte Schwärmerei sein. Gerade nach einem Abend wie dem gestrigen bleibt mir auch gar nichts anderes übrig. Wer meinen Blog liest (wer macht das überhaupt?) weiss ja, dass ich gestern einen gemeinsamen Auftritt mit der Sinfonietta Zug hatte. Was man davon erwarten sollte? Das wusste ich auch nicht. Es gehört ohnehin nicht unbedingt zu meinen Angewohnheiten, mir zu viele Gedanken und Erwartungen über Zukünftiges zu machen (die einen nennen das “carpe diem”, die anderen “Yolo”, wieder andere erinnern sich an das Julia-Engelmann-Video, von dem sie sich mal erzählten, als sie jung waren, brechen in Tränen aus, kündigen ihren Job, verlassen ihren Lebensabschnittspartner, werfen sich mit einem Gummiseil um die Knöchel eine Staumauer hinunter und gründen in Bolivien eine Alpaka-Farm – ich persönlich definiere es eher als mittlerweile gezwungenermassen akzeptierte planerische Unfähigkeit). Aber gerade der Gedanke, die Bühne mit einem Streichorchester zu teilen, überstieg mein Vorstellungsvermögen bei weitem, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als mich einfach darauf einzulassen. Ich hatte also zwar keine Erwartungen und trotzdem wurden sie weit übertroffen. Was auch immer das auch heissen soll. Es war auf jeden Fall ein wunderbarer Abend. Der Ablauf der Musikstücke und der Texte war stimmig programmiert, das Orchester spielte virtuos und gefühlvoll, der grosse Saal vom Theater Casino bot eine grossartige Akustik – und das Publikum war von all dem äusserst angetan. Und als wäre das nicht schon zu viel des Guten, waren alle Beteiligten auf eine dermassen entspannte Arte und Weise kollegial, kooperativ und begeisterungsfähig, dass  die Zusammenarbeit die reinste Freude war. Darum geht mein ehrlicher, tiefer Dank raus an das gesamte Orchester der Sinfonietta Zug,  den Dirigenten Philipp Bach, Geschäftsführer Simon Müller und natürlich auch an den Intendanten Samuel Steinemann vom Theater Casino Zug.

Das Ganze gefiel allen Beteiligten so gut, dass sogar eine Weiterführung dieses Projekts im Raum steht. Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen. Bis dahin würde ich dann auch gelernt haben, wie oft man jetzt genau wieder auf die Bühne kommt nach den Stücken und ganz am Schluss. Den klassisch konzertanten Knigge hatte ich noch nicht ganz so geschmeidig drauf wie die routinierten Streicher…

Auf dem Foto sieht man den festlichen grossen Saal vom Theater Casino und die Musiker der Sinfonietta Zug bei ihrer Zugabe, die sie sich redlich verdient haben.

2014-02-21 22.03.59