— Renato Kaiser

Nicht sehr dummes Spermium

Der verkaterte Zauberlehrling und der Sud

Fein fein fein war das gestern. Der zuckersüsse Stuttgarter Slamlord Thomas Geyer ist seinem Ruf als hervorragender Veranstalter wieder einmal gerecht geworden und hat es geschafft, einen viel zu kleinen Club mit viel zu vielen Menschen zu füllen, die sich dann stundenlang Gedichte und Geschichten anhören mussten. Weil Thomas Geyer jedoch über magische Kräfte verfügt (jeder, der ihn kennt, weiss auch, dass er in blauem Rock und Zaubererhut mit gelben Sternen aussehen würde, wie ein heftig verkaterter Zauberlehrling), schien das die Zuschauer keineswegs zu stören, ganz im Gegenteil.
Zuerst standen sie ewig lang draussen in der Kälte, in Schlangen, die sich soweit in die Dunkelheit erstreckten, dass die Besucher aus den umliegenden Provinzen für einmal klar im Vorteil waren (schliesslich konnten sie sich direkt vor der Haustür einreihen, während die versnobten Innenstadthipster mit der S-Bahn bis – ich sag jetzt einfach mal – Tübingen fahren mussten, um sich anzustellen. Ich hörte, manch einer liess auf dieser mehrtätigen Anreise sein Leben, dahingerafft von einer Lungentzündung, die ihm die unerbittliche Februarbise in die verhängnisvolle Lücke zwischen Arafat-Tuch und V-Ausschnitt geblasen hat).
Wie dem auch sei. Danach drückten sie sich in den Kellerclub hinein und so eng aneinander, dass der Frost auf ihrer Haut augenblicklich schmolz und in Kombination mit dem direkt einsetzenden Schweissausbruch einen raumerfüllenden Sud ergab, der manch unerwarteten Geruch und Nachwuchs zur Folge haben sollte und wird.
Ich fasse den Slam so kurz und unvollständig zusammen, wie es einem Slam (wie gelungen er auch immer gewesen sein möge) ohnehin nur gebührt. The Points are not the Point, mitmachen ist alles, wir sind alles Sieger, blablabla, darum direkt zum Höhepunkt des Abends: Der in jeglicher Hinsicht bemerkenswerte Nikita Gorbunov liess sich im Finale durch Einsatz eines Hilfsmittels (in diesem Falle war das der herz- und hirnerwärmend lustige featured Artist Tino Bomelino mit seinem Loop-Gerät) disqualifizieren, Ben Bögelein zum Sieger erklären und sowohl Slam als auch Slammer in einem Freestyle-Rap Revue passieren. Ich beispielsweise sei “lyrisch und nicht sehr dumm” und sähe “aus wie ein Spermium”. Treffender kann man mich kaum beschreiben. Was das nun aber über meinen hochgeschätzten Freund und Kollegen David Friedrich aussagt, wenn man das untenstehende Bild betrachtet, überlasse ich dem Freud in jedem einzelnen von Euch.

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