— Renato Kaiser

Who’s your Mami?

Von Nationalstolz, Bärten und zuckersüssen Slamlords

Bis grade vor kurzem noch war ich sehr stolz. Das hatte nichts mit dem satirischen Jahresrückblick “Bundesordner” zu tun, wofür unser Ensemble überraschend überschwänglich gefeiert wurde. Auch nicht mit den zwei äusserst gelungenen “INTEGRATIONAL”-Auftritten im Kulturhaus Rosengarten in Grüsch oder der Kolumne, die ich für die 3sat-Kulturzeit online schreiben durfte. Und auch nicht mit der Tatsache, dass ich es geschafft habe, Euch in diesem künstlich erschaffenenen Spannungsbogen mit meinen Prahlereien zu penetrieren (wenn Ihr überhaupt bis jetzt drangeblieben seid). Mit der Abstimmung vom letzten Wochenende hat das Stolzsein auch nichts zu tun, und das obwohl ich Schweizer mit einer italienischen Mutter bin, und es daher grade noch rechtzeitig ins Land geschafft habe! Puh! Und nein, mit meiner Mutter hat das alles auch nicht zu tun, wenn auch die vernünftige, stilsichere und vor allem entscheidungskräftige Stimme einer Frau eine Rolle spielt – in diesem Falle meiner Freundin. Und ja, ich vergleiche gerade meine Freundin mit meiner Mutter. Denn das ist ok, solange man weiss, wer wer ist. Oder anders gesagt: Solange man die Antwort weiss auf die Frage: Who’s your Mami?

Wie dem auch sei: Bis gerade vor kurzem war ich noch sehr stolz. Ich fühlte mich wie eine Mischung aus dem (ehemaligen?) Bassisten von Queen of the Stone Age und einem der kanadischen Bobfahrer hier:

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In Wahrheit sah ich aber so aus:

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Meine Freundin fand dann, das sähe schrecklich aus und ich solle mich sofort rasieren. Nach langem hin und her, habe ich mich ihrem weiblichen Sinn für Ästhetik gebeugt. Ich habe mich rasiert. Und siehe da, sie hat Recht. Jetzt bin ich wieder wunderschön.

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Wem das alles ein bisschen zu wenig informativ war: Mein zauberhaftes Lächeln und ich fahren jetzt gerade in den Keller Club in Stuttgart, um beim dortigen Slam gemeinsam die Herzen der Zuschauer zu gewinnen. Oder wenigstens das des zuckersüssen Stuttgarter Slamlords Thomas Geyer. Und ja, das ist sein offizieller Titel. Thomas Geyer, zuckersüsser Stuttgarter Slamlord.