— Renato Kaiser

Lesebühne Rauschdichten mit Team Neurosenstolz

Die Lesebühne Rauschdichten gibt es seit 2009 und besteht aus den drei Stammlesern Renato KaiserChristoph Simon und Sam Hofacher. Jeden letzten Montag des Monats werden dort Gedichte, Geschichten, Spoken-Word- und Slam-Texte kredenzt.
Christoph Simon lässt den Autoren raushängen und unterbietet sich selbst in Sachen Performance, das aber konstant und eifrig.
Sam Hofacher ist gross, redet schlau und fehlt oft krank/verkatert/grundlos.
Und Renato Kaiser ist gutaussehend, talentiert und grossartig, kurz: der beste Mensch der Welt und Verfasser dieser Zeilen.
Der Rauschdichten-Text: Einer der Auftretenden im Laufe des Abends spontan einen Text schreiben und vortragen. Zur Verfügung stehen dabei fünf Begriffe aus dem Publikum, eine halbe Stunde Zeit und eine ganze Flasche Rotwein – because that puts the “Rausch” into the “Rauschdichten”!

Ausserdem werden zu jedem Rauschdichten hochkarätige Gäste der nationalen und internationalen Kunst des Spoken Word/Poetry Slam, des Kabaretts und der Schriftstellerei eingeladen, die das Publikum mit Werken aus ihrem Repertoire (und vielleicht sogar mit einem improvisierten Rauschdichten-Text) beglücken werden.

Weitere Infos auf  www.musigbistrot.ch und hoffentlich bald auf www.rauschdichten.ch.

Mit einer mail an die Adresse rauschdichten@gmail.com kann man sich für den Rauschdichten-Newsletter anmelden.

Datum: Jeder letzte Montag des Monats
Ort: Musigbistrot, Mühlemattstrasse 48, 3007 Bern
Zeit: 20:00 Uhr
Eintritt: 15 CHF, für Studenten: 10 CHF

Der Gast vom 24. Februar:

Team Neurosenstolz bestehend aus David Friedrich (Hamburg) und Björn Dunne (Berlin)

Ein Name, der dermassen förmlich darum bittet, analysiert und interpretiert zu werden, so dass ich dieser Aufforderung selbstverständlich nachkomme. Sie alle kennen bestimmt das Berliner Popduo “Rosenstolz”. Dafür müssen Sie sich nicht schämen. Schliesslich kommt man ja seit einigen Jahren und nicht zuletzt wegen der stillen germanischen Invasion durch RTL Schweiz, Sat1 Schweiz, Pro7 Schweiz, MTV Schweiz und all die anderen perfiden Unterwanderungsmedien nicht umhin, zusätzlich zur hiesigen auch noch seicht-bräsige Dumpfbackenmusik aus Deutschland zu kennen. Als wären wir mit unseren Bobos und Göläs und Bliggs nicht schon restlos bedient. Sie müssen sich also nicht dafür schämen, Helene Fischer zu kennen oder Unheilig oder Silbermond oder eben Rosenstolz, keineswegs. Sie müssen sich nur dann schämen, wenn sie Facebookfreunde, die auf ihrer Pinnwand Videos, Fotos oder Zitate der betreffenden Künstler hochladen, nicht umgehend löschen, blockieren und als Spam markieren. Schliesslich ist es ein Unterschied ob Sie beispielsweise die Band Nickelback einfach nur namentlich kennen, oder ob Sie ihre CD in den Player legen, weil Sie beim Sex auf Touren kommen wollen. Wobei letzteres wiederum nach sehr stark einer Neurose klingt, auf die man nicht besonders stolz sein sollte. Ganz im Gegensatz zum Team Neurosenstolz! Björn Dunne und David Friedrich haben beeindruckende Neurosen. Unübersehbare und unüberhörbare Verhaltensstörungen. Schon von klein auf:

Sie sagten immer, das sei Liebe zur Sprache. Ihre Klassenkameraden sagten “Halt’s Maul” und stopften ihre Mäuler mit Sand.

Sie sagten: “das war doch nur ironisch gemeint” und ihre Freundinnen verliessen sie.

Sie verstanden die Literatur als ein anarchisch rebellisches Mittel gegen festgefahrene Systemmodelle – und ihre Eltern gaben sie zur Adoption frei.

Und so wanderten sie jeder für sich, ziellos, unverstanden und von der Gesellschaft ausgestossen durch die finsteren Gassen Deutschlands, “atemlos durch die Nacht, bis ein neuer Tag erwacht” (wie gesagt: fühlen sie sich nicht schuldig. Nur schmutzig) bis sie irgendwann, endlich aufeinandertrafen.

Und irgendwo aus einem weit enfernten Schützenhaus sang ein betrunkener Fussballhooligan:

“Atemlos, schwindelfrei, großes Kino für uns zwei

Wir sind heute ewig, tausend Glücksgefühle

Alles was ich bin, teil’ ich mit Dir

Wir sind unzertrennlich, irgendwie unsterblich

Komm nimm’ meine Hand und geh’ mit mir

Atemlos.“

Wahre Poesie.

Björn Dunne hingegen sagte: “Hey, du Rettich”. David Friedrich machte sich einen Reim darauf. Das Team Neurosenstolz war geboren.

Von da an waren die zwei ein Paar. Sie sahen, dass geteilte Verhaltensstörungen… immer noch Verhaltensstörungen sind, aber sie damit wenigstens nicht mehr alleine waren. Und so machten sie sich auf, bestärkten sich gegenseitig in ihren psychopathischen Zügen, gaben sich ihrem Zwang zum Wortspiel, zum Reim, zum anarchisch absurden Wortwitz hin, traten auf die Spoken-Word-Bühnen der gesamten Bundesrepublik, liessen ihren Neurosen freien Lauf, gewannen einen Team Poetry Slam nach dem anderen und versetzten das Publikum mal aufs mal in einen derart ekstatischen Jubel, dass das Volk auf und vor der Bühne aussah wie eine gigantische glückliche Verhaltensstörung.

Und so soll es auch am 26. Mai, 20:00 Uhr im Musigbistrot sein, meine lieben Rauschdichterfreunde! Kommt vorbei, nehmt all Eure mehr oder weniger verhaltensgestörten Freunde mit und lasst Euch therapieren von einem der besten Poetry Slam Teams des deutschsprachigen Raumes. Christoph Simon, Sam Hofacher und ich haben auf jeden Fall schon seit mehreren Wochen das Restless-Legs-Syndrom, ein bisschen zwanghaft, ein bisschen ekstatisch, aber vor allem sehr stolz, Euch präsentieren zu dürfen:

das Team Neurosenstolz!

Es grüsst Euch

Renato Kaiser

Im Namen der Rauschdichter