— Renato Kaiser

Neutralalaläck doch mir am Tschööpli!

Was für ein Wochenende!

Auch wenn doch so einiges passiert ist, werde ich meinem Vorsatz, für jeden Blogeintrag höchstens 20 Minuten aufzuwenden, treu bleiben. Der eine oder andere wird jetzt wohl sagen: Was? Nach diesem Wochenende? Nach den bahnbrechenden Ereignissen? Nach dieser Sensation, die mein Leben als Schweizer komplett verändert hat? Und ich würde überrascht, verlegen und gewohnt bescheiden antworten: “Bahnbrechend? Leben verändert? Sensation? Ja gut, die zwei “INTEGRATIONAL”-Shows, die Enrico Lenzin und ich in das Kulturhaus Rosengarten gezaubert haben, waren selbstverständlich sehr gut, aber dass dir das dermassen…”

Aber jetzt Spass bei Seite. Zumindest ein bisschen.

Selbstverständlich müsste man für einen angemessenen Kommentar zur Wochenendabstimmung mehr als 20 Minuten brauchen. Nur so viel von meiner Seite: Natürlich verstehe ich all die emotionalen Ausbrüche aus dem Affekt vollkommen. Und wenn andere Leute auf Facebook Videos von sich posten dürfen, in denen sie ein Bier auf Ex trinken, dann sollte es auch erlaubt sein, ein “Gopfnomol!”, “ab in den Müll mit dem Schweizer Pass” oder “Ich schäme mich für die Schweiz” in die Tasten zu schmettern, wenn Facebook schon so doof fragt “was tust du gerade?”. Aber ich frage dich trotzdem: Das tust du gerade? Du schämst dich für die Schweiz? Also die ganze Schweiz? Und wenn ja: erst jetzt? Hast du die 50,3 Prozent nicht auch schon ab und zu mal im Zug gesehen? Oder im Fernsehen? Oder an der letzten Fasnacht? Und was ist mit den 44,2 Prozent, die nicht gestimmt haben? Was haben die so gemacht, als Facebook sie danach gefragt hat?

Fragen über Fragen, aber meine Zeit läuft leider ab hier. Denn wie gesagt: Für einen angemessenen Kommentar sollte man mehr als 20 Minuten brauchen. Oder den Blick. Oder den Blick am Abend.

Auf dem obligaten Foto unten seht ihr Enrico Lenzin und mich, an unserem freien Tag zwischen den zwei Auftritten. Das grenzdebile Grinsen hat nichts mit der Abstimmung zu tun, das Foto ist von Samstag. Als Erklärung: Um gerade am Abstimmungswochenende so neutralala wie möglich zu bleiben, haben wir keinen Ausländer gefragt, ob er ein Foto von uns schiessen könnte. Die Schweizer hingegen haben sich geweigert, stattdessen etwas von AHV-Beitrag gemurmelt und sind mit Rucksäcken voller Dosenfondue in die Zivilschutzanlage gerannt. Darum ist es ein Selfie geworden. Tschuldo. Dafür sieht man im Hintergrund die Hütte für das Ausländerkontingent Graubünden.2014-02-08 11.38.30