— Renato Kaiser

Thunkolumne 2: Der Küböchro und der Bonhomme

Der Küböchro und der Bonhomme

Am Donnerstag der Künstlerbörse (oder wie ich hier tatsächlich an einer Pinnwand gelesen habe: »Kübö«) fand die Preisgala statt, an der Pippo Pollina und Massimo Furlan sehr hässliche Preise übergeben wurden. Eine neongelb leuchtende schemenhafte Menschenfigur, die aussieht als hätte bei dessen Kreation ein Primarschüler mehrere »Laubsägeliblättli« zerstört und anschliessend keine Lust mehr auf die Schleifarbeit gehabt. Um dem Ganzen trotzdem einen fröhlichen Touch zu geben, wurde die Figur in einen gelben Farbkübö getaucht – und wahrscheinlich auch damit man die Bleistiftskizzen des ungenügenden Handarbeitsschülers auf dem Rohholz nicht sieht. Um der Perversion der Ästhetik die Krone aufzusetzen heisst der Preis »Bonhomme«. Ein wahrlich unpassender Name, könnte man meinen, bis man den tieferen Sinn hinter, bzw. in der Statue erkennt. Schliesslich heisst das Männlein »Bonhomme« und nicht »Beau Homme«. Und wie bei jedem guten Mann zählen, vor allem wenn er nicht sonderlich schön ist, die inneren Werte. So auch bei diesem sonnigstrahlenden Augenschmerz, schlummern in ihm doch Ruhm und Ehre und 10’000 Franken.

Und wenn wir schon bei ästhetisch fragwürdigen Dingen sind. Was genau ist der Antrieb hinter Menschen, die nicht allzu schwer über die Lippen gehende Wörter wie »Künstlerbörse« in eine kieferverrenkende Abkürzung namens Kübö verwandeln? Die Künstlerbörse hat so einen Spitznamen nicht verdient! Eine Freundin von mir heisst Angelica und wurde stets »Gelle« genannt! So muss sich die Künstlerbörse fühlen! Kübö! Daniel Küblböck hätte diese Abkürzung verdient, wäre in dem Falle doch die Kongruenz von Form und Inhalt perfekt! Aber doch nicht hier. Soll es der Vereinfachung dienen? Wie bei YB? Ehrlich gesagt, macht es erstens im testosterongeschwängerten Fussballmetier Sinn, einen Teenie-Boy-Group-Namen abzukürzen und zweitens wird man das kultivierte Künstlerbörsenpublikum kaum dazu bringen, hooliganartig Fangesänge anzustimmen wie »Küübö *klatschklatschklatsch* Küübö *klatschklatschklatsch*«.
Für den Fall, dass man mit Kübö einen dieser umlaut-überhäuften skandinavischen Bandnamen imitieren wollte, muss man sagen: Wenn »Kübö« eine schwedische trendy-indie Rockband wäre – sie wäre eine miserable.
Wollte man aber vielleicht dem Gastkanton entgegenkommen? Den francophonen Wallisern rein lautlich mit »Boschuur lö kübööö«? Oder den Oberwallisern, die doch allzu gerne ö und ü in ihrer kryptischen Sprache benutzen? Aber auch dies macht keinen Sinn. Wie wir alle wissen, ist der Walliser in seiner Namensgebung so präzise und zweckorientiert (man denke an Aufdermaur, Imoberdorf, Aufdenblatten, Aufderheckehinterderdrittenstrasselinksamhang), dass ihn eine derartig primitive Abkürzung verwirren, wenn nicht sogar beleidigen würde.
Und das kann nicht im Sinne der Kübö sein, und erst Recht nicht in jenem der Künstlerbörse. Man muss jedoch anmerken, dass diese lächerlich kleinen Unschönheiten nur dem chronisch nörgelnden Chronisten aufgefallen sind. Die Zuschauer stürmten am Freitag in Scharen in die Säle und erfreuten sich an hervorragender Kleinkunst. Und daran hinderte sie weder der »Bonhomme« noch das »Kübö« und erst recht nicht der Küböchro.