— Renato Kaiser

Rauschdichten mit Richi Küttel

Liebe Rauschdichtenfreunde!

Erstmal die blutten Infos:

Datum: 26. Oktober 2015
Ort: Musigbistrot (Mühlemattstrasse 48, 3007 Bern) www.musigbistrot.ch
Beginn: 20:00
Eintritt: 15 CHF, für Studenten: 10 CHF

Special Guest: Richi Küttel aus St. Gallen! Einer der besten Mundartpoeten der Schweiz, alter Poetry Slam Hase, einer der Schätze der Szene. Rasantes Storytelling mit Witz, mit Esprit, mit unaufdringlicher Intelligenz, mit spürbarer Liebe für die Mundart und mit einem wirklich ansehnlichen Bart.

Rauschdichten-Joker: Remo Rickenbacher aus Thun! Wildgewordene Spoken Word Bühnenkanone und Mitglied der zu Recht vielbeachteten Thuner Lesebühne „Thun ist nirgends“

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Am kommenden Montag, 26. Oktober, steht das nächste Rauschdichten vor der Tür, dieses Mal mit Sam Hofacher und mir, Renato Kaiser. Dieses samtweiche Duett aus bundesstadtblasser Bleichgesichtigkeit mit in Leben gegerbtem, kernig-sonnigem Gemüt ausgleichen wird unser Special Guest:

Richi Küttel aus St. Gallen!

„Kommt schon”, würde der eine oder andere moderate Geist zu uns sagen. „Ihr seid doch gar nicht so samtweich“. Und ich würde antworten, oh doch, mein Lieber, oh doch! Und das meine ich gar nicht negativ! Die Gesichtshaut von Sam Hofacher ist weich wie ein Babyfüdli, ja! Nur mit dem Unterschied, dass das, was am Babyfüdli sonst noch so dranhängt, total niedlich ist. Und dass man das Baby in den Arm nehmen und festhalten will, weil man das toll findet, während man es bei Sam Hofacher höchstens tut, weil man befürchtet, er würde den nächsten Winter nicht überstehen. Und das meine ich gar nicht böse, ich fühle mit ihm. Auch ich bin samtweich. Ich habe mir letzten Winter einen Gefrierbrand geholt, weil ich bei einer Schneeballschlacht den Schneeball zu lange in der Hand gehalten habe. Mit Handschuh! Es passiert so schnell…

Während sich also andere bereits auf die kalte Jahreszeit freuen, mit Schlitteln und Skifahren und Weihnachtsmarktflaniererei, strecken Sam und ich ängstlich die Nase in die Winterbise, zucken zurück wie Schnecken, denen man die Fühler anstupst, verkriechen uns wieder in unsere Häuschen, wärmen unsere Studentenhände an den heissgelaufenen Laptoprechnern und warten auf ein Zeitalter, in dem die noble Blässe wieder zur Noblesse erkoren wird.

Weil das aber noch einige Jahrzehnte dauern wird, haben wir uns als Gast einen Mann eingeladen, der unsere monitorgebleichten Geisterfratzen in den heissgeliebten Schatten stellen wird. Natürlich haben wir Richi Küttel nicht nur wegen seines Ostschweizer Sonnenhanggesichts und seiner gesunden Haut eingeladen, das wäre ja lächerlich, sondern auch wegen seines Barts. Ein Prachtsexemplar von Gesichtsbehaarung, kann ich Euch sagen. Aber nicht so, wie die Hipster und Hipsterkenner unter Euch gerade denken, denn ich weiss: Der Vollbart ist für den modebewussten Mann von heute so etwas wie die Handtasche für die Frau. Er ist sein ganzer Stolz, beim Küssen immer im Weg und dermassen überdimensional gross, dass man kaum mehr findet, was man einmal reingesteckt hat: Essensreste, Zigaretten, Handys, Ladekabel, Rechnungen, Wahlzettel, kleinere Haustiere, Rasierapparat, etc. Aber eben: Bei Richi Küttel hat das mit Mode nichts zu tun. Dieser Mann trug Vollbart, noch Jahre bevor weltweit die Hipster sich mit ihren Salafistenfusseln die Brusttätowierungen wundgerieben haben. Wer wie Richi Küttel seine Wurzeln im Appenzellerland hat, weiss: Ein Vollbart ist nur insofern Teil eines Lifestyles, als dass man an ihm notfalls von einem Rettungshund aus der Lawine gezogen werden kann. Dieser Bart ist kein Accessoire, dieser Bart ist ein Werkzeug! Wie oft schon stand ich weinend und mit zerfledderter Stahlwolle in der Hand vor einer verkrusteten Gratinform und wünschte mir, ich hätte einen Bart wie Richi Küttel!

Und wenn Ihr jetzt meint, ich hätte ein ungesundes, ja zwanghaftes Verhältnis zu Richi Küttels Bart, dann ist mir das egal! Der Bart von Richi Küttel ist wie seine Texte: hart und gleichzeitig weich, rauh, aber auch sanft, spitzig, aber auch rund. Sie kratzen, sie kitzeln, und zwar genau so, wie man es gerne mag. Und das, was dahinter steckt ist die ureigene Mundart von Richi Küttel, die er so spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der einzige Unterschied: Seine Texte selbst haben nie einen Bart. Sie sind originell, sie sind frisch, rasant, komisch, nachdenklich, satirisch, schlau und immer unterhaltsam.

Richi Küttel steht seit 15 Jahren auf der Bühne. Er ist eine der wichtigsten Triebfedern der Ostschweizer Kultur- und Literaturszene. Er ist mehr als nur mitverantwortlich für die prächtige Entwicklung der Schweizer Poetry Slam Szene (und das sowohl auf als auch neben der Bühne) und nicht zuletzt ist er Teil des legendären Poetry Slam Teams Appenzell Inner-Innerrhoden. Er hat im vergangenen Jahr beim Verlag „Der gesunde Menschenversand” eine Spoken Word CD mit dem Titel „Eidgenosse“ herausgegeben. Und er ist einer der besten Mundartpoeten der Schweiz. Wer mir nicht glaubt, soll sich selbst davon überzeugen, und zwar am kommenden Montag, 26. Oktober, um 20 Uhr im Musigbistrot Bern, beim Rauschdichten mit Sam Hofacher, Remo Rickenbacher, mir und unserem Special Guest Richi Küttel!

Es grüsst Euch

Renato Kaiser

Im Namen der Rauschdichter